Nino Nihad Pušija

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Nihad Nino Pušija, 1965 in Sarajevo/Bosnien und Herzegowina geboren, studierte politische Wissenschaften und Journalismus an der Universität Sarajevo. Gleichzeitig arbeitete er als Fotojournalist und Künstler und ist seit 1988 als freier Fotograf in verschiedenen Kunstfotoprojekten und Fotostudien tätig. Seit 1992 realisiert Pušija Projektarbeiten in Berlin, u.a. für die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, das Museum Europäischer Kulturen und die Allianz Kulturstiftung. Seine Arbeiten spiegeln die persönlichen Geschichten der Menschen wider, die er trifft. Mit seinem Blick auf die Gesellschaft verweist er auf unterschiedliche ethnische und kulturelle Einflüsse und schaut hinter die Fassaden der Städte. In seinen Bildern hält er alltägliche und flüchtige Situationen fest und zeigt damit die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens. Pušija stellte im 1. und 2. Roma-Art Pavillon der Biennale von Venedig 2007 und 2011 aus.

 

PARNO GRAS

In #YOEUROMA! ist Nino mit der Fotoserie „Parno Gras: mukline Evropljanura“ (Das weiße Pferd: die vernachlässigten Europäer) beteiligt. Die Serie befasst sich mit dem Leben der Roma-Bevölkerung in Europa und ihren Schicksalen. Sie hinterfragt deren Existenz – ihren sozialen und politischen und ihren Flüchtlingsstatus – vom Ende des letzten Jahrhunderts bis jetzt in den europäischen Ländern wie Deutschland, Italien, Ungarn, Österreich, Spanien, Rumänien und den Ländern des ehemaligen Jugoslawien. Zu meiner künstlerischen Strategie und Verantwortung gehört es auch, dass ich über Jahre und Jahrzehnte oftmals mit den gleichen ProtagonistInnen arbeite. Die Situation der Roma in Europa fotografisch zu begleiten, ist keine kurzweilige Safari, auf der man schnelle Schnappschüsse macht, weggeht und nie wiederkommt. Ich möchte auch nicht, dass meine Bilder medial missbraucht werden. Mir ist sehr wichtig, dass ich die Kontrolle und Identität darüber bewahre und bestimme, in welchen Kontexten sie veröffentlicht werden.

 

Du kommst irgendwohin und denkst, dass du in wenigen Minuten verstehst, was passiert. Aber nur, wenn du es miterlebst, dann weißt du wirklich was passiert.

N. N. Pušija, Berlin 2017